Filmmusik zur Doku »Mein Lesungsbuch«

Nachdem ich entschieden hatte, zum Entstehen meines mittelalterlichen »Lesungsbuches« (siehe hierzu meinen ausführlichen Blogbeitrag) auch eine kleine filmische Dokumentation zu machen (auf YouTube ansehen), stand für mich schnell fest: ich schreibe auch die Filmmusik dazu. Immerhin begleitet mich sinfonische Filmmusik seit meinem 12. Lebensjahr, hat mich bei meinen Kompositionen beeinflusst und war auch immer wieder Thema im Studium.

Hier nun eine kurze Zusammenfassung, wie ich die knapp vierminütige Musik zu meinem Film erarbeitet habe.

Grundgedanken

Im Mittelpunkt des Films steht ein großformatiges, in Leder gebundenes und mit Messingbeschlägen verziertes Buch. Gemäß diesem mittelalterlichen Sujet sollte nicht nur die Optik im Film stimmen (v.a. durch die verwendete Schriftart), sondern auch die Musik entsprechend klingen: alte Instrumente, viel Trommeln, einfache Melodien und Tanzrhythmen und eine Steigerung bis hin zum fulminanten Höhepunkt bzw. Schlussakkord.

Instrumentierung

Ich wählte daher eine Kombination aus Viola da Gamba, Bodhrán (traditionelle keltisch/irische Rahmentrommel) und verschiedenen Holzblasinstrumenten. Für den gewollt geheimnisvoll-düsteren Klang nahm ich Cello und Kontrabass in Kombination mit Pauken hinzu. Diese setze ich v.a. in der Exposition ein, während der Film erläuternde Texte ein- und wieder ausblendet.

Aufbau

Das Stück ist im 3/4-Takt angelegt. Es beginnt mit der besagten, langsamen Anfangssequenz (1. Thema) und leicht düsterer Cello-/Kontrabass-Melodik, die von Paukensoli unterbrochen wird. Das zweite Thema (Hauptthema) wird von der Viola da Gamba eingeführt, während sich das erste, leicht modifiziert, als Begleitung fortsetzt.

Im Film werden nach und nach die einzelnen Phasen und Schritte gezeigt, wie das Lesungsbuch entstanden ist. Dies spiegelt sich auch in der Musik wider: es kommen zunächst weitere Instrumente wie z.B. Oboe und Flöten hinzu, die das Thema fortführen und auch die Begleitung ausbauen, bis das Tempo anzieht.

Als Überleitung zu dem rascheren zweiten Teil der Musik und dem Film, in dem das Buch sein endgültiges Aussehen erhält (Entstehung der Messingbeschläge, Elektronik und Zusammensetzen) wechselt die Instrumentierung. Violinen kommen hinzu, während durch Rückung und Wiederholungen einzelner Phrasen die Musik dem zweiten Teil entgegen strebt. Dort wird das Hauptthema wieder aufgegriffen, diesmal aber mit umfangreicherer Orchestrierung und der markanten Bodhrán als trommelndes Tanzelement.

Die Schlussequenz hatte ich gedanklich als erstes ausgearbeitet: Während sich im Film die Kamera dem fertigen Buch und v.a. dem vorne eingelassenen Kristall nähert, sollte die Musik rasch anschwellen, durch Glissandi den optischen ‘Zoom’ hörbar machen und mit einem Schlussakkord enden, während zeitgleich der Stein rot aufleuchtet. Neben Gong, Kontrafagott und kurzem Paukenwirbel nutze ich für den speziellen Schlussklang v.a. die Bassposaune und lasse alles über sechs Takte ausklingen.

Klänge

Für diese kurze Filmmusik habe ich die Musiknotations-Software Finale (in der Version 25.2) verwendet. Sie bietet mir mit den enthaltenen Garritan Sounds (Originalaufnahmen der verschiedenen Instrumente) tolle Möglichkeiten, auch nahezu ‘echt’ klingende Musik am Computer zu orchestrieren und zu exportieren. So konnte ich recht leicht ausprobieren und verschiedene Klangkombinationen testen.

Zwei weitere Features von Finale habe ich dabei genutzt:

1. habe ich die “Basis Anschlagsstärke” (über die Wiedergabe-Einstellungen konfigurierbar) auf den Wert “71” hochgesetzt. Damit erziele ich eine eher ‘ruppigere’ Spielweise und rauere Klänge – insbesondere beim Cello und der Viola da Gamba.

2. kann ich über die Einstellungen des enthaltenen “ARIA-Players” bei den Klängen auch verschiedene Szenarien bzw. Örtlichkeiten vorauswählen, wo die Musik gespielt werden soll. Hier stehen neben kleineren Räumen für Kammermusik auch größere ‘Räume’ und Hallen zur Verfügung, z.B. Kirche und Kathedrale. Zuerst plante ich eine Kirche oder Kathedrale als ‘Aufnahmeort’, verwarf das aber wieder. In beiden klang die Musik zwar bombastisch und markant, wie ich es mir vorgestellt hatte, überlagerte sich aber auch. Und vor allem bei den schnelleren Sequenzen ging das alles in einen ‘Klangbrei’ über. Letzen Endes entschied ich mich dann für den “Film Score Space“, was für mich ja irgendwie naheliegend war.

Ergebnis

Insgesamt hat mich die Musik ca. 50 Stunden Arbeit gekostet. Es war nicht immer einfach, aber es machte mir auch großen Spaß, auf einer Idee aufbauend eine Einheit aus Inhalten, bewegten Bildern, Überblendungen und Musik zu schaffen. Und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Musik hat sogar einen gewissen ‘Ohrwurm-Faktor’.  😉

Die fertige Filmmusik zum Film über “Mein Lesungsbuch” habe ich auf SoundCloud veröffentlicht. Ihr könnt die Musik aber auch in meiner Rubrik Kompositionen anhören.

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Rüdiger